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Quo vadis, stationärer Handel?

Inmitten steigender Herausforderungen im Einzelhandel, zeigt das erste Forum Handel 4.0 in Erfurt innovative, digitale Lösungen und neue Perspektiven auf. Die Teilnehmenden gaben ihre Antwort auf die Frage: Wie sieht die digitale Zukunft des stationären Einzelhandels aus?

Die Stimmung der Verbraucher*innen in Deutschland ist gesunken. Dagegen steigen die Energiepreise, der Fachkräftemangel verschärft die Arbeitsbelastung der Angestellten und immer häufiger wird online statt offline eingekauft: Der stationäre Handel hat es derzeit nicht leicht. Auch die zarten Ansätze einer wirtschaftlichen Erholung aus den Sommermonaten 2023 sind für die Händler*innen kaum ein Anlass, optimistisch zu sein, wie das aktuelle Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) zeigt.

Mit dem ersten Forum Handel 4.0 im Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum in Erfurt wurden Thüringens Handelsbranche mithilfe digitaler Tools neue Wege aufgezeigt und Wachstumsimpulse gegeben. Während der gemeinsamen Veranstaltung von ThEx Wirtschaft 4.0 und der Industrie- und Handelskammer Erfurt wurden rund 50 Teilnehmende zu digitalen Tools, Trends und Herausforderungen befragt.

 

Revolutionäre Technologien: Self-Checkout und virtuelle Realitäten

Für mehr als ein Viertel der Befragten repräsentieren Selbstzahlerkassen, auch bekannt als Self-Checkout-Kassen, eine der revolutionärsten Technologien im stationären Einzelhandel. Besonders während Stoßzeiten tragen Selbstzahlerkassen zu kürzeren Warteschlangen und einer schnelleren Abwicklung bei. Zudem ist eine effizientere Personaleinsatzplanung möglich: Mitarbeitende, die zuvor an herkömmlichen Kassen tätig waren, können nun verstärkt im Bereich Kundenservice, Beratung und Regalpflege eingesetzt werden.

Außerdem sehen die Teilnehmenden des Handelsforums großes Potenzial in Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR). Diese Technologien erlauben es, Produkte wie Kleidung, Brillen, Schmuck oder Make-up digital zu testen - auch wenn sie gerade nicht vorrätig sind. Praktische Anwendungsfälle in den Ladengeschäften finden sich für AR und VR auch beim Scannen von Produkten oder Regaletiketten mit dem Smartphone. Kund*innen erhalten dabei detaillierte Informationen über Herkunft, Inhaltsstoffe, Nutzungshinweise. Auch bisherige Bewertungen könnten so interaktiv zugänglich gemacht werden.

Bei der Frage nach der allgemeinen Entwicklung im stationären Handel prognostizierten die Befragten eine zunehmend personalisierte Kundenerfahrung durch die Datenanalyse mithilfe künstlicher Intelligenz (KI). Dieser Trend wird durch ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ethik der Produkte verstärkt. Kund*innen legen immer mehr Wert auf ethisch korrekte Produkte mit geringer CO2-Bilanz, was Einfluss auf die Produktstrategien der Händler*innen haben wird.

 

Finanzielle Hürden und Unterstützungsmöglichkeiten

Die zahlreichen Zukunftsvisionen durch den Einsatz digitaler Technologien enden jedoch vor einer ganz wesentlichen Hürde: dem Kosten- und Investitionsaufwand. Die häufigste Antwort aus der Befragung der Teilnehmenden beim Forum Handel 4.0 deckt sich dabei auch mit den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage des HDE. Obwohl knapp 50 Prozent der Händler*innen einen Bedarf an Digitalisierung und Innovation erkennen (der Fokus liegt vor allem auf Social-Media-Aktivitäten und digitalem Marketing sowie modernem Ladenbau und Geschäftsausstattung), planten knapp ein Drittel der mittelständischen Handelsunternehmen für 2023 keine Investitionen.

Dies steht im Kontrast zu den langfristigen Kosteneinsparungen und potenziellen Wettbewerbsvorteilen, die durch Digitalisierung erreichbar sind. Um die aktuellen Investitionszurückhaltungen zu überwinden und sich als zukunftsfähiges Unternehmen zu positionieren, müssen finanzielle Unterstützung durch Fördermittel somit noch stärker in das Bewusstsein der Handelsbranche rücken. Auf Landesebene existieren z. B. der Digitalbonus und das Programm InnoInvest, der Bund greift Händler*innen durch „Digital Jetzt!“ unter die Arme, um digitale Projekte umzusetzen und den Übergang in die digitale Zukunft zu erleichtern. 

 

Premiere signalisiert Zusammenhalt

Das Forum Handel 4.0 fand zum ersten Mal statt und adressierte gezielt die Herausforderungen und Ängste, die in der Branche aufgrund der digitalen Transformation aufkommen. Das Forum diente den Händler*innen als Plattform, um sich über die neuesten digitalen Technologien wie Virtual Reality, elektronische Preisschilder, Multisensorik und smarte Kassensysteme zu informieren, diese auszuprobieren und kritisch zu hinterfragen. Unterstützt wurde das Forum durch das Digital-Mobil des Mittelstand-Digital Zentrums Handel, die Duale Hochschule Gera-Eisenach, die Ernst-Abbe-Hochschule Jena und die Thüringer Aufbaubank. Als zentrale Botschaft dieses Tages wurde klar: Händler*innen sind in der digitalen Ära nicht auf sich allein gestellt.


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